Das alte Gähwiler Lied von 1964

Das erste Gähwiler Lied wurde 1964 vom Kirchberger Sales Huber komponiert und wahrscheinlich auch getextet. Die Mundart tönt nicht bis in die letzte Feinheit hinein gähwilerisch. So besingt Sales Huber die Stiggereien. Er hat wohl nicht so genau hingehört, sonst hätte er wohl gemerkt, dass man in Gähwil die Stickereien mit rauem ck ausspricht. Ganz allgemein ist der Gähwiler Dialekt sicher vill rüücher als gege Wil abe. Ond dem Hueber sini Stigglokal chiided vill meh wiä im Förschteland als vo Gähwil.

 

So sieht der Originaltext von Sales Huber aus, verziert mit einem seiner geliebten Blümchen:

Das neue Gähwiler Lied von 2004

Das neue Gähwiler Lied ist – passend zu seiner Zeit – viel weniger pathetisch. Es wurde von Claudio Tolfo, einem italienischstämmigen Rheintaler komponiert. Claudio Tolfo gehört zur erfolgreichen A-Capella-Band BLISS. Er hat Gähwil kaum je mit eigenen Augen gesehen, nur aus Beschreibungen, per E-Mail übermittelt, kennt er unser Dorf. Und hat doch mit viel Liebe und Sorgfalt die Eigenheiten und Besonderheiten erspürt und in moderne Musik umgesetzt. Gähwil wird hier nicht mit grossen Worten verherrlicht, sondern eher aus einem kritisch-sachlichen Augenwinkel heraus, immer aber liebevoll und mit leichtem Schalk betrachtet.

 

Der frühere Wandspruch in der Dorfkirche ‚So geht die Zeit zur Ewigkeit’ wird zum Leitmotiv des Liedes. Und die alte Sehnsucht der Dörfler nach der weiten Welt lässt unser Dorf einmal aus nächster Nähe, dann wieder aus weiter Ferne betrachten.

 

Der textliche Inhalt stammt aus den Ideenbeiträgen von vielen Gähwilerinnen und Gähwilern. Willy Schönenberger hat sie gesammelt und zu einem Liedtext zusammengestellt. So sehen die Notizen aus dem Entwurf des neuen Gähwiler Liedes aus, die der Textautor dem Komponisten per E-Mail übermittelt hat:

 

 

Intro (instrumental, evtl. kombiniert mit Chor, oder rein vocal, archaische Klänge, Klangwolken, im schweren ¾ Takt)

 

Ha gmäänt, i müess fort

us dem elende Kaff.

über d Waldwis uus

wit use i d Welt.

 

So geht die Zeit

zur Ewigkeit.

Bi üs bliibt si stoh

wie de Spruch a de Wand.

Z Gähwil hät alls

en andere Takt,

e längers Mass,

en bedächtigä Schnuuf.

 

Vo s Xävi’s Wääd spannsch

en Boge i d Stääge,

en Regeboge

bis ane is Nord.

 

Überleitung (träumerisch)

 

I ligg of em Buechspitz

im tröchnete Gräs,

zart blinzlet d Sonn

i mis schlööfrigi Aug.

Gähwil isch chüel,

nie heiss, dass’ Di bröötlet.

Ich träum vo mim Dorf,

wiit une im Tal.

 

Hauptteil (leicht, herzig, spitzig)

 

Vo wiitem beseh

isch alles so chlii,

d Hüsli so bützlet

ond Gärtli chliibitzlet.

 

D Fenschterli blitzet

ond d Hääg, die fitzet.

mer wött sini Stütz,

mit em Nochber kä Chritz.

 

D Sticker händ d Schiffli

scho lang nöme gricht’t,

d Stickete abgspannt.

Ond d Budik isch umbaut.

 

S Ölstitzli tröpflet

vertröchnet ond zääch,

en Reschte vom Riichtum

us früenerer Ziit.

 

Im Block vorem Dorf

do wohned di Frömde,

s Krasniqis ond s Pavics

ond s Dullas ond s Latics.

 

D Gähwiler Buure

züglet i d Wise.

Oeko ond Bio

sind ihri Devise.

 

S tüchtige Handwerk

hät goldige Bode.

Technisch perfekt

ond usgfüehrt wie gschleckt!

 

Vo wiitem beseh

isch alles so chlii,

d Hüsli so bützlet

ond Gärtli chliibitzlet.

 

D Fenschterli blitzet

ond d Hääg, die fitzet.

mer wött sini Stütz,

mit em Nochber kä Chritz.

 

Finale (wieder ruhig und schön)

 

Der Iddaberg trohnt

hoch über üs,

di stolze Grafe

sind en alti Gschicht.

 

D Wälder ruschet

d Hügel döset

Gähwil pfuuset.

Guet Nacht mis Dorf.

 

Ha gmäänt, i müess fort

us dem chliine Dorf,

über d Waldwis uus

i di wiiti Welt.

 

Aber d Welt bliibt stoh

wie de Spruch a de Wand:

So geht die Zeit

zur Ewigkeit. (Wiederholung Intro)