Das erste Gähwiler Lied wurde 1964 vom Kirchberger Sales Huber komponiert und wahrscheinlich auch getextet. Die Mundart tönt nicht bis in die letzte Feinheit hinein gähwilerisch. So besingt Sales Huber die Stiggereien. Er hat wohl nicht so genau hingehört, sonst hätte er wohl gemerkt, dass man in Gähwil die Stickereien mit rauem ck ausspricht. Ganz allgemein ist der Gähwiler Dialekt sicher vill rüücher als gege Wil abe. Ond dem Hueber sini Stigglokal chiided vill meh wiä im Förschteland als vo Gähwil.
So sieht der Originaltext von Sales Huber aus, verziert mit einem seiner geliebten Blümchen:
Das neue Gähwiler Lied ist – passend zu seiner Zeit – viel weniger pathetisch. Es wurde von Claudio Tolfo, einem italienischstämmigen Rheintaler komponiert. Claudio Tolfo gehört zur erfolgreichen A-Capella-Band BLISS. Er hat Gähwil kaum je mit eigenen Augen gesehen, nur aus Beschreibungen, per E-Mail übermittelt, kennt er unser Dorf. Und hat doch mit viel Liebe und Sorgfalt die Eigenheiten und Besonderheiten erspürt und in moderne Musik umgesetzt. Gähwil wird hier nicht mit grossen Worten verherrlicht, sondern eher aus einem kritisch-sachlichen Augenwinkel heraus, immer aber liebevoll und mit leichtem Schalk betrachtet.
Der frühere Wandspruch in der Dorfkirche ‚So geht die Zeit zur Ewigkeit’ wird zum Leitmotiv des Liedes. Und die alte Sehnsucht der Dörfler nach der weiten Welt lässt unser Dorf einmal aus nächster Nähe, dann wieder aus weiter Ferne betrachten.
Der textliche Inhalt stammt aus den Ideenbeiträgen von vielen Gähwilerinnen und Gähwilern. Willy Schönenberger hat sie gesammelt und zu einem Liedtext zusammengestellt. So sehen die Notizen aus dem Entwurf des neuen Gähwiler Liedes aus, die der Textautor dem Komponisten per E-Mail übermittelt hat:
Intro (instrumental, evtl. kombiniert mit Chor, oder rein vocal, archaische Klänge, Klangwolken, im schweren ¾ Takt)
Ha gmäänt, i müess fort
us dem elende Kaff.
über d Waldwis uus
wit use i d Welt.
So geht die Zeit
zur Ewigkeit.
Bi üs bliibt si stoh
wie de Spruch a de Wand.
Z Gähwil hät alls
en andere Takt,
e längers Mass,
en bedächtigä Schnuuf.
Vo s Xävi’s Wääd spannsch
en Boge i d Stääge,
en Regeboge
bis ane is Nord.
Überleitung (träumerisch)
I ligg of em Buechspitz
im tröchnete Gräs,
zart blinzlet d Sonn
i mis schlööfrigi Aug.
Gähwil isch chüel,
nie heiss, dass’ Di bröötlet.
Ich träum vo mim Dorf,
wiit une im Tal.
Hauptteil (leicht, herzig, spitzig)
Vo wiitem beseh
isch alles so chlii,
d Hüsli so bützlet
ond Gärtli chliibitzlet.
D Fenschterli blitzet
ond d Hääg, die fitzet.
mer wött sini Stütz,
mit em Nochber kä Chritz.
D Sticker händ d Schiffli
scho lang nöme gricht’t,
d Stickete abgspannt.
Ond d Budik isch umbaut.
S Ölstitzli tröpflet
vertröchnet ond zääch,
en Reschte vom Riichtum
us früenerer Ziit.
Im Block vorem Dorf
do wohned di Frömde,
s Krasniqis ond s Pavics
ond s Dullas ond s Latics.
D Gähwiler Buure
züglet i d Wise.
Oeko ond Bio
sind ihri Devise.
S tüchtige Handwerk
hät goldige Bode.
Technisch perfekt
ond usgfüehrt wie gschleckt!
Vo wiitem beseh
isch alles so chlii,
d Hüsli so bützlet
ond Gärtli chliibitzlet.
D Fenschterli blitzet
ond d Hääg, die fitzet.
mer wött sini Stütz,
mit em Nochber kä Chritz.
Finale (wieder ruhig und schön)
Der Iddaberg trohnt
hoch über üs,
di stolze Grafe
sind en alti Gschicht.
D Wälder ruschet
d Hügel döset
Gähwil pfuuset.
Guet Nacht mis Dorf.
Ha gmäänt, i müess fort
us dem chliine Dorf,
über d Waldwis uus
i di wiiti Welt.
Aber d Welt bliibt stoh
wie de Spruch a de Wand:
So geht die Zeit
zur Ewigkeit. (Wiederholung Intro)
Dienstags um 20:00 Uhr
Singsaal, Primarschule Gähwil